Im Innenhof der ehemaligen Stasi-Zentrale wird die Fassade zur monumentalen Projektionsfläche. Zunächst erscheint ein großer Aktenschrank – ein alltägliches Möbelstück, geschlossen, geordnet und sachlich. In seinem Inneren lagern Akten. Zugleich verweist er auf das Gebäude selbst und auf ein System, das Informationen sammelte, Menschen beobachtete und Wirklichkeit durch Einordnen und Kontrollieren prägte.
Nach und nach gerät die strenge Ordnung in Bewegung. Schubladen öffnen sich, Papier und Archive verändern sich, Raster verschieben sich. Aus klaren, verwaltenden Strukturen entwickelt sich eine zunehmend poetische und surreale Bildwelt. Digitale Animationen treffen dabei auf handgefertigte Stop-Motion-Bilder aus Plastilin. Das Material wirkt sichtbar bearbeitet: Es kann sich verbiegen, dehnen, brechen oder verformen.
Die Fassade wird so zu einer Grenze zwischen innen und außen, Archiv und Erinnerung, Kontrolle und Freiheit. Das Öffnen des Aktenschranks wirkt wie eine Suche nach dem, was in ihm verborgen liegt. Die Installation rekonstruiert keine historischen Ereignisse im Detail. Sie lädt dazu ein, darüber nachzudenken, wie Systeme Wahrnehmung und Wirklichkeit formen können – und wie gemeinsames Handeln und Vorstellungskraft Veränderung möglich machen.
Für die Installation ist auch eine Klanggestaltung vorgesehen. Diese kann Stimmen, gesprochene Fragmente und atmosphärische Klänge einbeziehen; die konkreten Audioinhalte befinden sich derzeit noch in Planung.