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Unsere VerANTWORTung …

Archiv Bürgerbewegung Leipzig e. V. und Gerda-Taro-Schule Leipzig

Entlang eines Abschnitts der Grimmaischen Straße sind zehn großformatige Fotomotive aus dem Jahr 1989 zu sehen. Die historischen Aufnahmen stammen aus dem Archiv Bürgerbewegung Leipzig und zeigen Situationen, Menschen und Momente aus der Zeit der Friedlichen Revolution.

Die Bilder sind auf Bauzaunbannern angebracht und bilden einen begehbaren Bilderzaun im Stadtraum. Jedes Motiv zeigt eine Archivfotografie sowie Texte in deutscher und englischer Sprache: Eine Bildunterschrift erläutert die dargestellte Situation, ein zusätzlicher Kommentar ordnet sie aus heutiger Perspektive ein.

Ausgewählt und kommentiert wurden die Fotografien von Schülerinnen und Schülern des Leistungskurses Geschichte der Gerda-Taro-Schule im Rahmen eines archivpädagogischen Workshops. Ihre Beiträge verbinden die Ereignisse von 1989 mit Fragen der Gegenwart: Was bedeuten Freiheit, demokratische Teilhabe und gesellschaftlicher Zusammenhalt heute? Welche Impulse können die Erfahrungen der Friedlichen Revolution für aktuelle Herausforderungen geben?

Auf dieser Seite stehen zu jedem Fotomotiv außerdem eine Bildbeschreibung, die Bildunterschrift und der zugehörige Kommentar zur Verfügung. Dadurch können die Inhalte auch dann nachvollzogen werden, wenn die Texte auf den Bauzaunbannern vor Ort nicht zugänglich sind.

 

Fotomotiv 1

Alternativbeschreibung:

Schwarz-Weiß-Fotografie eines mit Blumen geschmückten Fensters. Zwischen Metallstreben hängt ein handgeschriebenes Plakat mit der Forderung: „Wir wollen keinen Dialog mit denen, die unsere Freunde verprügeln und einsperren. Wir wollen unsere Freunde wieder um uns haben. Erst dann werden wir reden. Für freie Menschen in einem freien Land.“ Unter dem Plakat sind weiße Papiersterne angebracht.

 

Bildunterschrift:

Solidarität mit den Inhaftierten vom 11. September an einem Fenster der Leipziger Nikolaikirche am 18. September 1989.

 

Kommentar:

Ich finde dieses Foto sehr persönlich und bewegend. Es beeindruckt mich, dass sich die Leute trauen, öffentlich zu ihren Freunden zu stehen trotz der drohenden Konsequenzen. Die Menschen damals in Leipzig haben Mut bewiesen und sind für ihre Forderungen auch persönliche Risiken eingegangen. Außerdem zeigt das Bild den Zusammenhalt der Menschen, da die Verfasser des Schildes die Demonstranten als ›Freunde‹ bezeichnen. Ich wünsche mir, dass es heutzutage wieder mehr von diesem Zusammenhalt gibt.

Markus (42), Lehrer

Fotomotiv 2

Alternativbeschreibung:

Schwarz-Weiß-Fotografie einer abendlichen Demonstration. Zwei Personen halten ein großes handgeschriebenes Plakat mit der Aufschrift: „Gleiche Bildungschancen für jedes Kind“. Vor der Menge geht eine Frau in einer hellen Jacke neben einem kleinen Kind. Auf dem Boden liegen herabgefallene Blätter.

 

Bildunterschrift:

Montagsdemonstration auf dem Leipziger Innenstadtring am 30. Oktober 1989.

 

Kommentar:

Ich finde dieses Bild immer noch sehr zeitgemäß, denn auch im Jahr 2026 ist dieses Ziel noch nicht erreicht. Trotzdem arbeiten wir daran und ich hoffe, dass wir dieses Ziel bald komplett umsetzen können, auch für Kinder und Jugendliche mit Benachteiligungen oder körperlichen Einschränkungen. Denn Bildung ist kein Privileg, sondern das Fundament für eine gerechte Zukunft aller Kinder.

Anais (15), Schülerin

Fotomotiv 3

Alternativbeschreibung:

Schwarz-Weiß-Fotografie einer abendlichen Demonstration. Eine große Gruppe von Menschen steht unter einem Stoffbanner mit der Aufschrift „Power to the people“. Im Vordergrund stehen mehrere Frauen; rechts blickt eine Frau direkt in die Kamera. Im Hintergrund sind Straßenlaternen und die Fassade eines Gebäudes zu erkennen.

 

Bildunterschrift:

Montagsdemonstrant:innen auf dem Leipziger Innenstadring am 23. Oktober 1989. Seit der entscheidenden Montagsdemonstration am 9. Oktober 1989, als die Menschen zum ersten Mal den Leipziger Ring komplett umrundeten, gibt es keine Verhaftungen mehr.

 

Kommentar:

Für mich zeigt das Foto den grundlegenden demokratischen Willen. Der Slogan ›Power to the people‹, also ›Alle Macht dem Volke‹, zeigt, wie die Gemeinschaft nach Veränderung strebt. Glückliche Blicke untereinander zeigen Zusammenhalt und Hoffnung. Im Bild stehen viele Frauen: Es haben also ’89 nicht nur Männer demonstriert. Ich wünsche mir, dass wir als Gesellschaft den Mut aller Demonstrant:innen damals nicht vergessen und uns erinnern, dass wir auch heute Politik mitgestalten können.

Anton (17), Schüler

Fotomotiv 4

Alternativbeschreibung:

Schwarz-Weiß-Fotografie aus erhöhter Perspektive auf den Nikolaikirchhof in der Leipziger Innenstadt. Eine Polizikette sperrt eine Straße, das Schuhmachergässchen ab; davor und auf dem Platz stehen Gruppen von Menschen. Zwei kleine, mobile Wachhäuschen stehen auf dem Platz. Im Hintergrund ist das Gebäude des Specks Hofs zu sehen, links ragt die Fassade der Nikolaikirche ins Bild.

 

Bildunterschrift:

Eine Polizeikette riegelt den Leipziger Nikolaikirchhof an der Ecke Nikolaistraße / Schuhmachergäßchen nach dem Friedensgebet am 18. September 1989 ab. Eine Woche zuvor werden 89 Menschen verhaftet, an diesem Montag 31 Teilnehmende.

 

Kommentar:

In diesem Bild zeigt sich für mich, durch die Lücke zwischen Staat und Volk, die vorherrschende Spaltung der DDR. Trotz dieser unheimlichen Atmosphäre bleiben die Menschen und beweisen Mut und Zusammenhalt, sich für ihre Forderungen und Rechte einzusetzen. Sie riskieren Freiheit und Unversehrtheit und bieten damit ein großes Vorbild, sich für Demokratie einzusetzen. Ich würde mir wünschen, dass wir besonders heute unsere Werte verteidigen, auch wenn wir vielleicht viel riskieren.

Tobias (17), Schüler

 

Fotomotiv 5

Alternativbeschreibung:

Schwarz-Weiß-Fotografie einer großen Menschenmenge auf der Wiese an der Petersstraße. Viele Menschen sitzen dicht gedrängt auf dem Boden, weitere stehen hinter ihnen. Im Hintergrund sind mehrstöckige historische Gebäude zu sehen. Einige Personen halten helle Luftballons oder Plakate.

 

Bildunterschrift:

Musiker und Publikum friedlich auf der Wiese an der Petersstraße während des Straßenmusikfestivals am 10. Juni 1989. Im Laufe des Tages werden 84 Teilnehmende verhaftet.

 

Kommentar:

Ich finde es bemerkenswert, dass sich all diese Menschen versammelt haben, um Musik zu machen oder einfach nur zuzuhören. Und all das, obwohl sie wussten, dass Versammlungen aller Art gefährlich werden können oder auch sind. Unter anderem finde ich es bewundernswert, wie die Leute damals dieses Straßenmusikfestival organisiert haben – ohne Social Media, nur mit Flyern und Plakaten. Dies ist ein wichtiger Teil der Leipziger Geschichte. Und ich wünschte, es würde in Zukunft mehr solcher Veranstaltungen geben. Und wer weiß, vielleicht wäre ohne dieses Festival alles anders gekommen?!

Elin (15), Schülerin

Fotomotiv 6

Alternativbeschreibung:

Schwarz-Weiß-Fotografie einer dicht gedrängten, lächelnden Menschenmenge. In der Mitte sitzt ein Kind auf den Schultern eines Mannes und zeigt das Victory-Zeichen. Viele Menschen im Hintergrund heben ebenfalls zwei Finger zum Zeichen des Friedens und der Freiheit.

 

Bildunterschrift:

Teilnehmende der ersten Montagsdemonstration am 4. September 1989 auf dem Nikolaikirchhof. Im Gegensatz zu den kommenden Montagen erfolgen keine Verhaftungen, da zur Messezeit westliche Presse vor Ort ist.

 

Kommentar:

Das Bild zeigt die Friedlichkeit des gesamten Protests sowie den Wunsch der Menschen nach Frieden und Freiheit, egal ob bei jungen oder alten. Im Gegensatz zur heutigen deutschen Gesellschaft sieht man die Einheit im Großteil der Bevölkerung und einen gemeinsamen Willen. Eine Sache, die ich mir wieder wünsche.

Tristan (17), Schüler

 

Fotomotiv 7

Alternativbeschreibung:

Schwarz-Weiß-Fotografie einer Demonstration auf den Nikolaikirchhof. Zwei Frauen halten ein großes, handgemaltes Transparent mit der Aufschrift: „Für ein offenes Land mit freien Menschen“. Hinter ihnen folgt eine Gruppe von Demonstrierenden; am Rand stehen weitere Menschen und beobachten den Zug. Im Hintergrund sind die Nikolaikirche, historische Gebäude und ein modernes Bürogebäude zu sehen.

 

Bildunterschrift:

Die Bürgerrechtlerinnen Gesine Oltmanns (l.) und Katrin Hattenhauer (r.) halten am 4. September 1989 auf dem Nikolaikirchhof ein Transparent. Wenig später werden Mitarbeiter der Staatssicherheit es herunterreißen.

 

Kommentar:

Ich bin von dem Mut der Demonstrantinnen und Demonstranten, die sich dort friedlich versammelten, beeindruckt. Trotz der Gefahr, die von der Stasi ausging, hielten die Demonstrantinnen ein ›Transpi‹ mit Forderungen hoch. Heute wünsche ich mir wieder mehr von diesem Mut, um auf Missstände aufmerksam zu machen, auch wenn man Angst hat vor Polizeigewalt oder Gegendemonstranten.

Jan (15), Schüler

Fotomotiv 8

Alternativbeschreibung:

Schwarz-Weiß-Fotografie einer Auseinandersetzung in der Leipziger Ritterstraße. Mehrere Männer, darunter Mitarbeitende der Staatssicherheit, halten einen Demonstranten fest, der auf dem Gehweg zu Boden gegangen ist. Umstehende beobachten die Situation; im Hintergrund steht ein Auto mit einer Lautsprecheranlage. Hohe Wohn- und Geschäftsgebäude säumen die Straße.

 

Bildunterschrift:

Demonstranten und Mitarbeiter der Staatssicherheit ringen während der ersten Montagsdemonstration am 4. September 1989 in der Ritterstraße um ein Transparent.

 

Kommentar:

Mich schockiert, dass in diesem Bild auf den ersten Blick nicht erkennbar ist, wer zu den Demonstranten und wer zur Stasi gehört. Die Leute waren während der Demos also wahrscheinlich die ganze Zeit stark angespannt. Es beeindruckt mich, dass die Demonstranten trotz dieses Druckes friedlich bleiben konnten. Ich wünsche mir, dass wir auch in Zukunft ohne Angst und Gewalt demonstrieren können. Unsere Welt braucht mehr friedlichen Austausch.

Elena (17), Schülerin

 

Fotomotiv 9

Alternativbeschreibung:

Schwarz-Weiß-Fotografie eines jungen Mannes, der sich um einen verletzten Demonstranten kümmert. Er tupft mit einem Tuch Blut aus seinem Gesicht. Im Hintergrund stehen Busse und einzelne Passantinnen und Passanten auf dem Karl-Marx-Platz (heute: Augustusplatz).

 

Bildunterschrift:

Verletzter Demonstrant am Rande einer Protestdemonstration anlässlich des 40. Jahrestages der DDR auf dem Karl-Marx-Platz (heute: Augustusplatz) am 7. Oktober 1989.

 

Kommentar:

Auf dem Bild sieht man, wie skrupellos und brutal die Demonstranten behandelt wurden. Wir sprechen zwar von der Friedlichen Revolution, dürfen aber nicht vergessen, welchen Risiken die Demonstranten ausgesetzt waren. Es ist ein Privileg und ein Recht, ohne Angst vor Gewalt zu demonstrieren. Daher wünsche ich mir, dass wir uns gemeinsam gegen demokratiefeindliche Organisationen einsetzen!

Tristan (17), Schüler

Fotomotiv 10

Alternativbeschreibung:

Schwarz-Weiß-Fotografie einer Demonstration vor dichtem Baumbestand. Eine große Gruppe von Menschen hält ein Netz aus Schnüren und Stoffstreifen über ihren Köpfen. Im Hintergrund ist ein handgemaltes Transparent mit der Aufschrift „Demokratie“ und einer gezeichneten Deutschlandkarte zu sehen. Mehrere Teilnehmende zeigen das Victory-Zeichen.

 

Bildunterschrift:

Demonstration von Leipziger Bürgerrechtler: innen und Teilnehmende des Evangelischen Kirchentages Sachsen in der Karl-Tauchnitz-Straße am 9. Juli 1989.

 

Kommentar:

Für mich zeigt dieses Foto eine sehr ungewöhnliche Demonstration, aber auch ein sehr starkes Gemeinschaftsgefühl. Ich bewundere den Mut der Menschen und, dass sie trotz der Probleme im eigenen Land für andere eintreten und Solidarität zeigen. Die Freiheit ist unteilbar, daher müssen wir uns überall auf der Welt dafür einsetzen. Ich wünsche mir, dass wir das im Hinterkopf behalten: Gemeinsam sind wir stärker – auf persönlicher und internationaler Ebene.

Amelie (17), Schülerin