Lichtfest Leipzig - Das Programm

Lichtfest Leipzig 2017 – Das erwartet die Besucher

Mit Talk, Jazz und Video setzt der künstlerische Leiter Jürgen Meier in diesem Jahr neue künstlerische Akzente. Die etwa einstündige Veranstaltung wird durch Claudius Nießen, Autor und Geschäftsführer des Deutschen Literaturinstituts Leipzig, moderiert, der im Verlauf des Abends mehrere Gesprächspartner begrüßt. Gäste des Lichtfest sind der Journalist Jürgen Engert, langjähriger Leiter des ARD-Hauptstadtstudios in Berlin und Moderator des Magazins Kontraste, Juliane von Reppert-Bismarck, Journalistin und Gründerin der Organisation Lie Detectors, Filmemacherin Anke Ertner, deren Dokumentarfilm Generation ’89 – Erwachsenwerden im Wendejahr mehrfach ausgezeichnet wurde, sowie Dr. Lutz Kinkel, Geschäftsführer des Europäischen Zentrums für Presse- und Medienfreiheit in Leipzig. Sie sprechen mit Claudius Nießen nicht nur über persönliche Erinnerungen, sondern auch über die aktuelle politische Situation in Deutschland und Europa.

Eingefasst werden die Gespräche von aktuellen und historischen Foto- und Videoaufnahmen sowie von mehreren Komparsen, deren Aktionen und Bewegungen die emotionale Aufladung und Polarisierung in Wort und Bild von ‘89 bis heute zeigen. Nicht weniger emotional sind die eigens hierfür arrangierten Kompositionen des Stephan König Jazz-Quartetts.

Das Lichtfest Leipzig beginnt traditionell um 20 Uhr auf dem Augustusplatz, dem historischen Versammlungsort von 1989. Die Gespräche auf der Bühne werden in Gebärdensprache übersetzt und für Rollstuhlfahrer steht ein Podest zur Verfügung.

Hinweise zur Anfahrt erhalten Sie hier.

Akteure Lichtfest Leipzig 2017

Claudius Nießen
Foto: Christoph Busse

Claudius Nießen – „Sich erinnern ist kein Selbstzweck“

Seit 2008 ist Claudius Nießen Geschäftsführer des Deutschen Literaturinstituts Leipzig und kuratiert darüber hinaus Literatur- und Kunstformate im In- und Ausland. 1980 in Aachen geboren, arbeitete er zunächst für den WDR und die Verlagsgruppe Handelsblatt. Ein Studium am Deutschen Literaturinstitut Leipzig war Anlass für den Umzug in die Messestadt, wo er bis heute lebt und ab 2005 zunächst als Geschäftsführer der Freien Akademie der Künste Leipzig tätig war. Zuletzt erschienen von ihm das Kunstbuch Vinta und in Zusammenarbeit mit Clemens Meyer der Band Zwei Himmelhunde.

„Manche Erinnerungen verblassen. Müssen erst wieder wachgerufen werden. Sich erinnern ist an dieser Stelle kein Selbstzweck. Wir dürfen nicht vergessen, für welche Werte und Ziele andere für uns auf die Straße gegangen sind. Denn diese Werte machen uns, machen unsere Gesellschaft aus. Sie zu verteidigen ist, ein hohes Gut. Für das jeder Einzelne von uns einstehen muss.“

Jürgen Engert
Foto: LTM/Schulz

Jürgen Engert – „Teilhabe an einem Urerlebnis“

Der Journalist Jürgen Engert, Jahrgang 1936, wuchs in Dresden auf. Weil ihm ein Studienplatz
in der DDR verwehrt wurde, ging er nach West-Berlin und studierte dort an der Freien Universität und später an der Ludwig-Maximilians-Universität München Geschichte, Germanistik und Philosophie. Bei der West-Berliner Zeitung Der Abend fing er 1961 als politischer Redakteur an, wurde 1974 deren Chefredakteur. 1980 wandte sich er dem Medium Fernsehen zu. Beim SFB wurde er 1983 Leiter der Hauptabteilung Politik und schließlich 1987 Chefredakteur Fernsehen. In der ARD moderierte er von 1984 bis 1998 das Politmagazin Kontraste. Engert war Gründungsdirektor des ARD-Hauptstadtstudios und blieb bis zu seiner Pensionierung 2001 dessen Leiter.

„Leipzig. 9. Oktober 1989. Ich stehe am Straßenrand. Die Menschen ziehen an mir vorbei. Gegen die mächtige, sie umfassende Finsternis haben sie Lichter angezündet. Gesichter im Halbdunkel. Ernsthafte Heiterkeit in der Teilhabe an einem Urerlebnis. Was wird daraus werden? Die Menschen vor mir auf der Straße und ich am Rinnstein, wir wissen es nicht. Unsere Hoffnung: Es muss anders werden, damit es besser werden kann. Nach der erfolgreichen, friedlichen, deutschen Revolution auch in Europa, auch in der Welt: Schwestern und Brüder in eins nun die Hände? Denkste! Neue Krisen, neue Umbrüche, neue Bedrohungen. Der Kompass kreiselt. Geschichte vermittelt keine Anweisungen. Erinnern tut gut. Es enthebt aber nicht vor der Verpflichtung zu vita activa hier und jetzt.“

Anke Ertner
Foto: privat

Anke Ertner – „Ich war 14, als die Mauer fiel“

Anke Ertner, 1975 in Großenhain bei Dresden geboren, wuchs in Strausberg bei Berlin auf – in der DDR der wichtigste Standort der NVA, wo ihr Vater als Offizier und ihre Mutter als Lehrerin arbeiteten. Nach einem Studium der Betriebswirtschaftslehre in Frankfurt/Oder startete sie eine Karriere als Radio- und TV-Journalistin und arbeitete als Autorin für internationale Produktionsfirmen sowie als Medien- und Interviewtrainerin.

Ihren ersten großen Dokumentarfilm Generation ’89 – Erwachsenwerden im Wendejahr produzierte sie bewusst unabhängig und selbstständig. Denn mit diesem Film stellte sie sich einer besonderen Herausforderung: sie erzählte nicht irgendeine Geschichte. Generation ’89 ist die sehr persönliche Geschichte ihrer Freunde, ihrer Familie und nicht zuletzt ihre eigene. Anke Ertner lebt heute in Berlin und arbeitet an ihrem nächsten Dokumentarfilm, der wieder einen besonderen Aspekt der deutsch-deutschen Vergangenheit als Thema hat.

„Das Lichtfest in Leipzig ist für mich eine außergewöhnliche Veranstaltung, die dazu beiträgt, die Erinnerungen an eines der wichtigsten Ereignisse in unserem Land wach zu halten. Ich war 14 Jahre alt, als 1989 die Mauer fiel. Aufgewachsen in Strausberg bei Berlin und geprägt durch eine systemtreue Erziehung, gehörte ich im Herbst ’89 nicht zu den Menschen, die für die Freiheit demonstrierten. Erst nach dem Mauerfall habe ich langsam verstanden, wie außerordentlich diese Friedliche Revolution war. Heute ist die deutsch-deutsche Geschichte zentrales Thema meiner Arbeit als Filmemacherin. Ich will aktiv mit dazu beitragen, dass unsere Geschichte bei der nachfolgenden Generation nicht in Vergessenheit gerät. Und daher ist es mir eine ganz besondere Ehre, beim Lichtfest in Leipzig dabei sein zu dürfen.“

Lutz Kinkel
Foto: ECPMF/Andreas Lamm

Lutz Kinkel – „Ohne Pressefreiheit keine Demokratie“

Dr. Lutz Kinkel ist seit Mai 2017 Geschäftsführer des European Centre for Press and Media Freedom (ECPMF) in Leipzig. Er bringt 20 Jahre Erfahrung und Leidenschaft im deutschen Journalismus mit und kennt sich vor allem in Politik- und Medienthemen bestens aus. Lutz Kinkel war Redakteur bei Spiegel Online, Tagesschau.de sowie elf Jahre beim Stern, zuletzt als stellvertretender Leiter des Berliner Büros. Außerdem unterrichtet Kinkel Journalismus an der Akademie für Publizistik in Hamburg. Seine Doktorarbeit schrieb er über die NS-Filmregisseurin Leni Riefenstahl.

„Die Presse ist dazu da, den Mächtigen auf die Finger zu sehen. Dafür braucht sie: Freiheit. Ohne Pressefreiheit keine Demokratie. Die Leipziger haben sich beides 1989 erkämpft. Das muss man feiern. Und verteidigen. Dafür sind wir hier.“

Juliane von Reppert-Bismarck
Foto: privat

Juliane von Reppert-Bismarck – „Zeitalter der unendlichen Informationen“

Juliane von Reppert-Bismarck ist eine vielfach ausgezeichnete Journalistin, die sich dafür einsetzt, dass auch zukünftige Lesergenerationen guten von schlechtem Journalismus unterscheiden können. Nach zwei Jahrzehnten als Journalistin und Redakteurin in Europa und den USA gründete sie die Non-Profit-Organisation Lie Detectors, die ausgebildete Journalisten in Schulen schickt, um jungen Menschen zu zeigen, wie man wahre Meldungen von falschen unterscheiden kann.

Juliane von Reppert-Bismarck hat aus fast allen Teilen der Welt berichtet, u. a. für das Wall Street Journal, MLex, Newsweek, Reuters und Spiegel Online. In ihrer journalistischen Tätigkeit legt sie ihre Schwerpunkte auf weltweite Regulierungstendenzen sowie die Schnittstelle zwischen Geld und Politik, vor allem im internationalen Handel. Sie ist Absolventin der Graduate School of Journalism der Columbia Universität in New York City und hat Geschichte an der Universität Edinburgh studiert. Als Kind von Seefahrern spricht sie Englisch, Deutsch, Spanisch, Französisch und Portugiesisch.

„Das Lichtfest erinnert an das, was möglich wurde, als Tausende sich entschieden, ihrem Wissensdrang zu folgen. Im Zeitalter der unendlichen Informationen gilt es, diesen Wissensdurst zu schärfen: zu begreifen, dass Propaganda weiterhin existiert, und dass auch Tatsachen nuanciert sein können. Für uns Journalisten, die täglich eine komplizierte Wirklichkeit befragen, gilt es, diese Neugierde an die neuste Generation zu vermitteln, damit sie mit offenen Augen ihre Welt ergründen kann.“

Stephan König Jazz-Quartett
Foto: Christian Enger

Stephan König – „Utopisch – aber nicht minder hoffenswert“

Das Stephan König Jazz-Quartett wurde 2010 gegründet und hat seither mehrere Programme im Grenzbereich zwischen Klassik und Jazz kreiert. Der Pianist, Komponist und Dirigent Stephan König, geboren 1963 in Berlin, studierte an der Hochschule für Musik „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig. Er ist freischaffend und hat neben seiner Unterrichtstätigkeit an der Leipziger Hochschule für Musik und Theater diverse Gastverträge bei namhaften Orchestern. Er wirkte bei zahlreichen CD-, Rundfunk- und Fernsehproduktionen mit. Konzertreisen führten ihn um die ganze Welt. König ist mehrfacher Preisträger internationaler Wettbewerbe und arbeitete u. a. mit Georg Christoph Biller, Uschi Brüning, Nigel Kennedy, Martin Petzold, dem Leipziger Streichquartett u.v.a. Seit 1998 leitet er das von ihm gegründete „LeipJAZZig-Orkester“ und seit 2007 das Kammerorchester „artentfaltung“.

Stephan König, Klavier | Reiko Brockelt, Saxophon | Wieland Götze, Schlagzeug | Thomas Stahr, Bass

„Meine Erinnerung an den Herbst ’89 ist verknüpft mit dem großen Erstaunen darüber, dass diese grundlegende politische und gesellschaftliche Veränderung ohne Blutvergießen möglich war. Dass dies auch bei aktuellen Konflikten und Veränderungen möglich wäre, ist wahrscheinlich manchmal utopisch – aber deshalb nicht minder hoffenswert.“

Jürgen Meier
Foto: Olaf Martens

Jürgen Meier – „An die Stelle des Aufbruchs sind neue Brüche getreten“

„Faszinierend finde ich, dass mit der Friedlichen Revolution gleich drei Utopien realisiert wurden: die friedliche und freie Meinungsäußerung, die deutsche und die europäische Einheit. An die Stelle des Aufbruchs in ein einiges Europa sind neue Brüche getreten. Am Beispiel der Forderung nach Redefreiheit ’89 fragt und hinterfragt das Lichtfest Leipzig 2017: Wo sind die Werte hin, um die es ging? Wie gehen wir mit dem Impuls ’89 um? Wir befragen Neustarter, Geerdete und Türöffner. Talk, Jazz und Video vereinen freie Rede, Emotionen, Bilder der Erinnerung und der Wünsche an die Zukunft.“

Jürgen Meier lebt und arbeitet in Leipzig. Er studierte Kunst, Philosophie und Psychologie in Münster und in London. Für seine künstlerische Arbeit erhielt er mehrere Preise und Auszeichnungen. Seine Werke wurden international ausgestellt, unter anderem in San José, USA, und bei der Architekturbiennale in Venedig.

Seit 2009 ist Jürgen Meier künstlerischer Leiter des Lichtfestes Leipzig.

Veranstaltungsprogramm rund um den 9. Oktober 2017

Die Erinnerung an die Friedliche Revolution halten die Leipzigerinnen und Leipziger auf vielfältige Weise lebendig. Im Mittelpunkt stehen am 9. Oktober traditionell das Friedensgebet und die Rede zur Demokratie in der Nikolaikirche sowie das Lichtfest auf dem Augustusplatz.

Darüber hinaus gibt das Programmheft einen Überblick über weitere Veranstaltungen im September und Oktober, Sonder- und Dauerausstellungen, thematische Stadtrundgänge sowie über Erinnerungsorte im öffentlichen Raum.


Programm Lichtfest Leipzig 2016

Leipzig erinnert an den 9. Oktober 1989

Nach dem Friedensgebet und der Rede zur Demokratie in der Nikolaikirche beschließt das Lichtfest Leipzig am 9. Oktober 2016 emotional den Tag. Auf dem historischen Versammlungsort von 1989, dem Augustusplatz, gestalten Schauspieler Sylvester Groth, Musiker Mike Dietrich und Chefchoreograf Mario Schröder mit dem Leipziger Ballett ein knapp einstündiges Bühnenprogramm, das unter der künstlerischen Leitung von Jürgen Meier Text, Musik, Tanz, Foto und Video zu einer vielschichtigen Performance verwebt.

Sylvester Groth verkörpert den Visionär, den Weltbürger. Vorwärtsdrängend und selbstsicher auf der einen Seite, kritisch und nachdenklich auf der anderen, bringt er die großen Themen des Abends mit Hilfe aktueller Texte und historischer Zitate von Kant bis Kennedy auf die Agenda. Sylvester Groth schlüpft dafür symbolisch in die Rolle eines Coaches, dessen unmittelbares Gegenüber die Menschen auf dem Augustusplatz bilden. Ebenfalls mit ihm in beständigem Austausch agieren die Tänzerinnen und Tänzer des Leipziger Balletts. Mal zustimmend, mal ablehnend, bewegen sie sich zwischen Aufbruch und Erstarrung, Zukunft und Vergangenheit.

Ballettdirektor Mario Schröder bezieht für die Dramaturgie choreografische Elemente aus Mendelssohns "Lobgesang", einer Hymne an die Aufklärung, ein. Der Leipziger Musiker Mike Dietrich, der für das Lichtfest eine Soundcollage aus klassischen und zeitgenössischen Elementen entwickelt hat, steuert das musikalische Geschehen des Abends.

Historische Foto- und Videoaufnahmen, verwoben mit Dokumenten des aktuellen Zeitgeschehens, begleiten die Inszenierung auf verschiedenen großen Leinwänden im Hintergrund. Die von Jürgen Meier in einer Gesamtdramaturgie zusammengestellten Szenen und Bilder verstärken und unterstützen das Bühnengeschehen und erzeugen zudem weitere Bedeutungsebenen.

Konzipiert und umgesetzt wird das Lichtfest von der Leipzig Tourismus und Marketing GmbH.


Programm Lichtfest Leipzig 2015

"Freiheit - Gleichheit - Brüderlichkeit?"

Nach der Jubiläumsausgabe auf dem gesamten Innenstadtring ist das Lichtfest Leipzig am 9. Oktober 2015 thematisch neue Wege gegangen: Während in den vergangenen Jahren die östlichen Nachbarländer und ihre Demokratiebewegungen im Fokus standen, richtete sich der Blick nun auf zivilgesellschaftliche Aspekte. "Freiheit – Gleichheit – Brüderlichkeit?" lautete das Motto in diesem Jahr. Die Identität des Einzelnen im einst geteilten und seit 25 Jahren wieder geeinten Deutschland war gedanklicher Ausgangspunkt des Programms auf dem Augustusplatz.

Die Leipzig Tourismus und Marketing GmbH und der künstlerische Leiter des Lichtfestes, Jürgen Meier, haben für die Umsetzung prominente Mitstreiter gewinnen können: Der Schauspieler Florian Lukas schlüpfte stellvertretend in die Rolle derer, die zurückblicken. Vor dem Hintergrund historischen Ton- und Bildmaterials las er literarische Sequenzen. Aktuelle Bezüge steltlen die von der Journalistin und TV-Moderatorin Pinar Atalay vorgetragenen Nachrichten her. Die dritte Komponente des Abends bildete der Chor der Oper Leipzig. Als musikalisches "Wir" repräsentierte er die Gesellschaft und schuf ein Gegengewicht zu persönlicher Rückschau und schnelllebigen Nachrichten. Im Zusammen- und Wechselspiel von historischen und aktuellen Bildern, Texten und Musik entstand ein spannungsreiches Panorama.

Den ganzen Abend waren die Besucher des Lichtfestes natürlich wie auch in den Jahren zuvor herzlich eingeladen, aus Tausenden Kerzen eine leuchtende "89" zu bilden.

Veranstalter: Leipzig Tourismus und Marketing GmbH


Programm Lichtfest Leipzig 2014

16 unterschiedliche Lichtinstallationen konnten im Jahr 2014 bewundert werden. Eine genaue Auflistung finden Sie auf der Unterseite: Lichtfestprojekte 2014